1904
     
Ferdinand Schlüter - Schützenkönig
  Frau Ferdinand Schroer - Schützenkönigin
 

Ehrendamen:

Frau Ferdinand Schlüter,
Frau Josef Schlüter,
Frau Bernhard Thesing,
Frau Anton Rave.

 

     
  Schützen begrüßen Delegation der Eisenbahn am Ramsdorfer Bahnhof.
 

Ramsdorf, 30. Sept. Am 25., 26., und 27., wurde hier selbst das allgemeine Bürgerschützenfest gefeiert. Es waren so recht Tage der Lust und Freude – Frohsinn und Germütlichkeit blieben in Permanenz. Sonntag Vormittag wurde dem Schützenoberst, Herrn Hammelbeck, seitens des Vorstandes eine Medaille, reich ornamentirt, verliehen, als Anerkennung seiner 25jährigen Dienste als Oberst des Bataillons. Sodann wurde das ganze Offizierscorps seiner Majestät, dem alten Schützenkönig vorgestellt. Nachmittags 4 Uhr fand die große, mit vielem Glanze umgebende Parade vor dem Obersten statt. Der geräumige Marktplatz konnte kaum die Zuschauer fassen. Die zündende Anrede des Schützenoberst entfesselte ein Sturm von Begeisterung, und fand seinen Ausdruck in den minutenlang anhaltenden dreimaligen Hurra. Am Montag zog das Bataillon mit klingendem Spiel durch die Stadt zum Kampfplatze, wo selbst der Amtmann Roters nach einer kurzen Anrede im Namen seiner Majestät des Kaisers den ersten Schuß abgab. Lange wurde gekämpt und gestritten um die Königswürde. Es entwickelte sich unter stetem Konzert ein fröhliches Treiben. – Gegen 11 Uhr traf auf dem Schießplatze unsere Geistlichkeit ein. Dieselbe wurde vom Oberst empfangen und den geistlichen Herren dann das Bataillon in Parade vorgestellt. Der Oberst begrüßte die Herren durch eine Anrede. Derselbe führte aus, wie das Bataillon sich freute, von der Geistlichkeit die Ehre des Besuchs zu erhalten, das Bataillon erblicke darin ein Wohlwollen gegen das Schützencorps, das zu erhalten wissen würde, und zwar dadurch, das es die Bethätigung guter Sitten, Lust und Freude im Herzen, gefördert durch edie Selbstzucht, als Standarte des Festes genommen hätte. Nach freundlicher Gegenrede verweilten die hochw. Herren noch etwa 1 Stündchen bei uns. Gegen 2 Uhr entlich, holte den letzte Brocken des Vogels Herrn Ferdinant Schlüter herunter, dem als König Ferdinand Schlüter gehuldigt wurde. Als Königin wurde die Frau Bäckermeister Frerdinand Schroer und als Ehrendamen Frau Ferdinand Schlüter, Frau Josef Schlüter, Frau Bernhard Thesing und Frau Anton Rave erkoren.Es folgte nun der Rückzug zu Stadt – es war ein wirlicher Triumpfzug – auf dem Marktplatz vollzog sich dann die Decorirung der 3 besten Schützen durch die Königin. Abends um 8 Uhr begann der Königsball, der sich aufs glänzentste entwickelte und lange – lange die Festteilnehmer zusammenhielt. Am Dienstag musste das Programm etwas abgeändert werden, weil der Vorstand beschlossen, der landespolizeilichen Abnahme-Kommission der Neubau – Eisenbahnstrecke Borken-Coesfeld auf hiesiger Station eine Ovation darzubringen. Um 9 ½ Uhr rückte das Bataillon mit klingendem Spiel zum Bahnhof und nahm auf dem Perron Aufstellung. Um ½ 11 Uhr lief der Zug mit den Herren der Kommision in den Bahnhof ein. Das Bataillon präsentierte – die Musikkapelle spiele einen Präsentiermarsch. Der Schützenoberst ehrte die Herren durch eine kurze Anrede und waren selbe sichtlich erstaunt durch die dargebrachte Ehrung. Nachmittags 4 Uhr fanden Volksspiele und Scheibenwerfen der Damen statt. Ein schier endloser Zug von Damen und Herren bewegte sich durch die Stadt zum Scheibenstand. Fräulein Stahlhauer erang die Würde der Scheibenkönigin, die sich als Scheibenkönig Herrn Heinrich Seher wählte. Abends 8 Uhr begann der Festball, der die Teilnehmer wieder lange zusammenhielt. So sind dann die schönen Festtage zu Ende und mit Lust und Freude, aber auch mit wirklicher Befriedigung können wir stets an das selbe zurückdenken.

   
  Orginale Schreibweise des B.Z. Berichtes vom 01. Oktober 1904
   
  Aktualisiert am 11. Februar 2022