1953 / 1954
  Ferdinand Storks und Gertrud Räwer
     
     
 

Throngefolge:

Frau J. Depenbrock,
Frau F. Storks,
Frau Hubert Mensing
Frau H. Schlüter
Alois Storks,
Josef Depenbrock,
Anton Uepping,
Eduard Funke.

     
 

Die drei besten Schützen:

Wenzel Uphues,
Josef Westrick,
Werner Selting.

     
    thron_1953_2 
    Königspaar mit Throngefolge vor der Gastwirdschft Wilhelm Lachnicht (Burgplatz)
     
   
    Silberpaar Gertrud Räwer und Ferdinand Storks 1978
 
     
     
 

Ein dreifach Hoch für Ramsdorf
Heute beginnen drei festliche Tage

bz Ramsdorf. Ein rechtes Fest bedeutet Hochstimmung aber gibt sich mit einem einfachen Aufschwung nicht zufrieden, man muß schon alles – wie es in Goethes „Faust“ heißt – „dreimal sagen“. Die heilige Zahl „Drei“ spielt beim diesjährigen Schützenfeste eine große Rolle. Einmal liegt die Hochstimmung des Festes fest gegründet auf den drei Pfeilern der drei Festtage.
Am Samstag klingt das Fest mit einem ernsten und besinnlichen Ton auf: Zapfenstreich und Kranzniederlegung am Ehrenmal. Die Ramsdorfer werden hiermit an den Tag  legen, daß ihr Fest nicht nur in der zufälligen Gemeinschaft unserer Tage, im Kreise der Lebenden, gefeiert, wird, sondern daß ganz Ramsdorf, auch die Vielzahl derer, die nicht mehr sind, mitfeiern werden. Das gilt vor allem für jene, die als wahre „Schützer der Heimat“ (das sollen ja die Schützen sein) auszogen und nicht mehr heimkehrten. Wer in diesem Sinne an unser Ehrenmal tritt, der wird das Fest in einem echten Sinne begehen.
Zu der Dreizahl der Festtage tritt diesjährig die „Drei“ in einem ganz besonderen Sinne. Drei Königspaare in werden am Sonntagnachmittag auf dem Marktplatz die Front der angetretenen Schützen abschreiten, Königspaar in Altgold, und in patiniertem Silber gleichsam. Vor 50 Jahren holte Anton Cremer als glücklicher Schütze den Vogel herunter und Lisa Lübbering wurde zur Königin erkoren. Das war noch eine andere Zeit wie heute, wie sich unser goldenes Königspaar eingestehen muß. Damals regierte Kaiser Wilhelm noch,  und vom Glanz des stolzen Hohenzollern drang etwas bis in die kleinste Ramsdorfer Hütte und in den abgelegensten Ort. Die damaligen Schützenfeste – daß muß man sagen – verliefen zweifellos „majestätischer“ als die heutigen, es gab noch festliche „Commitees“, welche das Fest vorbereiteten, es gab „Galavorstellung“, „Kirmes und Königsball“. Böllerschüsse eröffneten das Fest. Damals fungierte noch Schützenoberst Hamelbeck, Amtmann Roters pflegte „im Namenseiner Majestät des Kaisers“ den ersten Schuß zu tun. Ja, das waren noch Zeiten. Und vor 25 Jahren? Darüber wird das zweite Königspaar am besten berichten können, Rektor Heselhaus und seine Königin Frau Dr. Schüling, Beide sind noch Jugendfrisch, und sollte  ihnen nahelegen, diesjährig wieder dem Vogel den Garaus zu machen, um damit die Wiederkehr des Guten und Beständigen zu dokumentieren, König Bernhard vom Letzten Jahr wird mit Königin Johanna die Dreizahl vollmachen. Die beiden „historischen Königspaare werden am Sonntagnachmittag in aller Würde im Schatten der Burg die Ehrung entgegengenommen und die Parade an sich vorbeiziehen lassen. Für diese drei Festtage Ramsdorfs ist nun nicht anderes zu wünschen, als daß das Wetter dem Gold und Silber die nötigen Glanzlichter verleiht. Glänzen werden auch die Instrumente der Ramsdorfer Stadtkapelle, die noch um den landbekannten Spielmannszug verstärkt wird. Wilhelm Kömmelt, der die Restauration übernommen hat, wird sein glänzendes Gesicht zeigen.
Und nun:  Ramsdorf – dreimal Hoch!

B.Z. Bericht vom 18. Juli 1953

     
 

Der alte Burgturm staunte
Ramsdorfer Schützenfest mit 2 Jubelpaaren

Ramsdorf. Eine große Menschenmenge hatte sich am Samstagabend vor dem Ehrenmal eingefunden, um der erhabenen Feierstunde, die das alte Ramsdorfer Schützenfest einleitet, beizuwohnen. Fleißige Hände hatten dem Kriegerehrenmal einen würdigen Festesschmuck verliehen. Kur nach dem die Ehrenwache aufgezogen war, Böllerschüsse den Beginn des Festaktes verkündend hatten, nahmen die recht zahlreich angetretenen Schützen mit Spielmannszug und Ramsdorfer Aufstellung vor dem Denkmal. Die Musikkapelle spielte den Choral: Wir treten zum Beten.  Der  Männergesangverein MGV Concordia sang: Ich bin Dein Herr, lass mich Scholle sein. Präsident Engelbert Ebbeler sprach feierliche ernste Worte. Er gedachte der Toten, die ihre Heimattreue allzu früh mit  ihrem Tode bezahlen mußten. Ihnen zu Ehren, uns zu Überlebenden zu stetem Mahnen hat die Gemeinde in Dankbarkeit dieses Ehrenmal geschaffen. Der Geist der Toten, der hier am Fuße der Burg, wo der Burgfried die Wache hält, unter den Schatten der Linden eine würdige Erinnerungsstätte gefunden haben, soll immer bei und bleiben. In ehrenden Worten gedachte er der Toten des Vereins, vor allem des im vergangenen Jahre heimgegangenen Ehrenpräsidenten Heinrich Hollmann. Den Kameraden, die noch 8 Jahre nach Kriegsschluß hinter Stacheldraht schmachten, rief er herzliche Heimatgrüße zu. Schärfste Protestworte sprach er gegen die jedem Recht hohnsprechende Nichtfreilassung der Gefangenen. Während die Kapelle das Lied vom guten Kameraden spielte, und das Feuer in den Opferschalen entfacht war, legte er im Namen des Schützenvereins mit den Worten: „Nie sollt ihr vergessen sein“, einen Kranz nieder. Sehr angenehm wurde es empfunden, das die Zuschauer in tiefer Ergriffenheit und andächtigem Schweigen ihrem tiefen Mitgefühl Ausdruck gaben.
Der Zapfenstreich auf dem Marktplatz leitet zurecht gemütliche Stunden im Festzelt über. Ein feierliches Hochamt für die lebenden und verstorbenen Mitglieder des Vereins an dem fast alle Schützen teilnahmen, eröffnet die Festfolge des Sonntags. Nachdem der Major, Oberst und der Präsident vom Vorstand und dem Offizierskorps feierlich eingeholt waren, trafen sich diese zum bekannten gemütlichen Frühschoppenkonzert im Festzelt. Der Festakt auf dem Burgplatz am Nachmittag war der Glanzpunkt des Tages. Eine besondere Note erhielt das Fest durch die Anwesenheit der beiden Jubelpaare. Vor 50 Jahren holte Anton Cremer als glücklicher Schütze den Vogel herunter, und Lisa Lübbering wurde zur Königin erkoren. Rektor Heselhaus und Frau Dr. Schüling waren die Majestäten des Jahres 1928. Ein farbenprächtiges Bild bot sich den Zuschauern, die sich zu Tausenden eingefunden hatten. Wie eine Mauer umstand ein Kordon von Menschen, groß und klein, den Burgplatz, um die Galavorstellung zuzusehen. Gerade dieser historische Platz gibt durch seine Anordnung in jedem Jahre für diesen Festakt den besten Rahmen ab. Nach Aufstellung des Bataillons, einholen der Fahnen und dem Vorbeimarsch des Königspaares vom Vorjahre, empfingen Präsident und Vorstand die Jubelpaare, die noch die nach eine recht rüstigen Eindruck machten und sichtlich bewegt waren über die ihnen zuteil werdende Ehre. Vom Präsiden wurde sie mit den Abzeichen ihrer Majestätischer Würde dekodiert. Oberst Josef Kipp hatte vorher in einer Ansprache darauf hingewiesen, daß es etwas ganz seltenes sei, so ein Jubiläum zu feiern zu können. Erstellte den jungen Schützen die beiden Jubelpaare als Vorbild der Liebe und Treue zum Verein und zur Heimat hin und forderte sie auf, ihren Beispiel zu folgen, damit der Bestand des Schützenvereins für die Zukunft gesichert ist.
Beim Abschreiten der Front durch die Majestäten zeigte sich so recht, wie stark die Ramsdorfer mit ihrem Schützenfest verbunden sind. Die schneidige ausgeführte Parade vor den Majestäten in vorzüglicher Ordnung, bei der klaren Kommandostimme des Majors und den schneidig gespielten Märschen der Stadtkapelle verstärkt durch den Spielmannszug löste helle Begeisterung aus. Mit frischen Liedern bewegten sich die Schützen durch die reichgeschmückten Straßen unsers ehrwürdigen Städtchens in das herrlich dekodierte Zelt, wo dieser zweite Teil des Tages seinen glanzvollen Ausklang nahm.

 

 

König  Ferdinand  regiert

 

bz Bei kühlem Sprühregen entwickelte sich  am Montag an der Vogelstange ein harter Kampf, aber nicht minder gute Stimmung. Mit großer Genugtuung stellte die Presse fest, Daß das Ergebnis dieses Ringens irgendwie ihren eigenen Wirkungskreis unmittelbar berührte, denn der sportgewandte Gatte unserer Ramsdorfer Berichterstatterin, Ferdinand Storks machte dem Vogel den Garaus. Zur Königin erkor sich der neue König, dessen Würde durch ein wohlwollendes Kopfnicken und eine Einverständniserklärung seitens der Presse bestätigt war, Frau Gertrud Räwer. Der Hofstaat setzte sich folgenendermaßen zusammen: Throndamen:  Frau J. Depenbrock, Frau E. Storks, Frau Hubert Mensing, und Frau H. Schlüter. Die Thronherren: Alois Storks, Josef Depenbrock, Anton Uepping und Eduard Funke. Dies waren bis Redaktionsschluß die neusten Hofnachrichten aus Ramsdorf.

B.Z. Bericht vo 22. Juli 1953